Das ist eine sehr berührende Geschichte, die leider all zu oft wahr wird, nicht nur bei Hunden.
Es gibt soooo viele Menschen, die sich einen Hund nehmen, weil er doch so süß ist (als Welpe) oder weil die Kinder einen Spielgefährten wollen.
Ich kann euch da meine Geschichte erzählen, denn ich war schließlich auch noch ein Kind, wie wir Fango bekommen haben, nämlich 12.
Seit ich denken kann, liebe ich Tiere über alles und habe, das sagen mir viele, einen recht guten Draht zu ihnen. Mit 4 Jahren ist unser Kater Felix zu uns gekommen, damals ein kleiner Katzenwelpe. Felix war für mich immer irgendwie auch wie ein Hund, denn er hat gelernt, auf Pfiff zu kommen, sich hinzusetzen, wenn ich ihm das sage und auch "Platz" hat er bald verstanden - ja, ein Kater. Aber, ich habe mir auch immer einen Hund gewünscht, weil mich diese Tiere sehr fasziniert haben. Meine Eltern waren immer dagegen, ein Hund ist so viel Arbeit (womit sie in gewisser Weise Recht haben), und ich würde ihn eh nach ein paar Wochen nicht mehr ansehen. Das hat mich dann jedes Mal gekränkt, weil ich genau wusste, dass viele Kinder so sind, aber ich mich so gerne drum kümmern würde, nicht nur einige Wochen!
Es kam dann der Zeitpunkt (um meinen 12. Geburtstag herum), an dem ich meine Mutter immer und immer wieder im Internet auf Hundehomepages gesehen habe. Dann haben wir beide uns in eine 7-jährige Parson Russel Hündin verliebt, die zur Abgabe gestanden ist. Wir haben mit der Züchterin Kontakt aufgenommen, uns über diese Hündin erkundigt,.... Mama hat im Büro nachgefragt, ob sie denn einen Hund mitnehmen dürfte, wenn wir einen hätten - auch da kam das ok. Gedanken haben wir uns gemacht, wohin, wenn auf Urlaub, ein paar Leute gefragt, etc. Jetzt war da aber noch die Hürde, mein Vater. Er hatte fürher einen Hund, das war aber ein Hofhund, also nicht so in die Familie einbezogen.
Mama und ich haben eine Powerpoint Präsentation gemacht über diese Hündin, um Papa davon zu überzeugen. Die ersten Worte, die er danach gesagt hat, waren: "entweder der Hund, oder ich" - an das werd ich mich glaub ich mein Leben lang erinnern.
Für mich ist einmal die Welt zusammengebrochen, das könnt ihr euch vorstellen, auch meine Mutter war fertig. Am nächsten Tag bin ich auf Skikurs mit der Schule gefahren, worauf ich mich grundsätzlich gefreut habe. Beim Abschied sind mir aber die Tränen runtergekullert, das kannten meine Eltern nicht von mir. Da dürfte es auch bei meinem Vater zum Rattern angefangen haben, denn wie ich auf Skikurs war, haben meine Eltern durch eine Bekannte, die eine Mischlingshündin hat, die Kromfohrländer entdeckt. In diese Rasse dürfte sich dann auch Papa verliebt haben, ich war erstmal ganz perplex, warum nicht diese Hündin, sondern eine ganz andere Rasse.
Heimgekommen, Bild gesehen, Rassebeschreibung (kein Jagdtrieb, für unsere Wohngegend eigentlich total ideal) gelesen, Homepages angeschaut - ja, diese Rasse muss es sein.
Ein Züchter hat sich bei uns gemeldet, der wo gelesen hat, dass Österreicher einen Kromi (die damals nur in D gezüchtet wurden) suchen. Den haben wir besucht, er hat den A-Wurf erwartet. Uns wurde ein Hund versprochen, die Geburt ging schief, von 7 Welpen haben 3 überlebt, 1 Rüde, 2 Hündinnen. 2 Hündinnen waren versprochen (wir wollten ursprünglich eine), er hat uns den Rüden angeboten. Wir haben zugesagt, hauptsache ein Kromi, Geschlecht war uns dann auch egal. Wir haben "unseren" Hund 2mal besucht (sind nach Erding gefahren) und zwei Wochen vor Abgabe haben wir ein Fax bekommen, dass dieser Hund für uns zu ruhig ist und wir ihn nicht bekommen. Die wahren Gründe haben wir auch damals schon gekannt - eine Frau hat Telefonterror betrieben, sie möchte doch einen Hund aus diesem Wurf haben, das hat er uns beim letzten Besuch erzählt. Diese Frau hat den Hund jetzt. Und wieder: die Welt ist zusammengebrochen "mein" Hund ist aufeinmal nicht mehr meiner.
Kurz darauf haben wir durch eine liebe Kromibekannte einen Anruf von einer Züchterin aus Augsburg bekommen, sie habe einen Wurf, 6 Rüden, wenn wir wollen, können wir uns einmal vorstellen kommen. Gesagt, getan, die Welpen waren 3 Wochen alt, wir sind einfach mal hingefahren um zu plaudern. Beim Gehen habe ich die Mutterhündin in der Wurfkiste gestreichelt, die Züchterin war ganz erstaunt, weil die dann normal immer herschnappt und sich von mir aber gerne angreifen hat lassen.
2 1/2 Wochen später haben wir dann einen Anruf bekommen: "euer Hund ist gerade aufgewacht", ein Foto zu "unserem Hund" bekommen - das hat sehr berührt. Da stand er, im Plantschbecken und hat uns angesehen.
Fango - benannt nach der Schlammpackung, da er der dunkelste und letzte Welpe war.
Wir haben Fango dann zu uns holen dürfen und.... er war einfach ein Traumhund, hat kaum gejammert, war immer brav, hat uns in der Nacht max. 2mal aufgeweckt,... Den Welpenkurs habe dann zum Schluss ich ganz alleine mit ihm besucht, auch Agility war immer meine Sache. Die Erziehungsbücher habe ich gewälzt, geübt und trainiert, ja, das hab ich alles gern gemacht und ich war und bin auch seine Bezugsperson Nr. 1. Ich habe aber IMMER die Unterstützung meine Eltern bekommen, immer. Und obwohl zu Beginn die Sorgen da waren, dass mich der Hund später nicht mehr interessiert.... ich gehe, 6 Jahre später, immer noch täglich mit ihm die Runden, spiele mit ihm, füttere ihn, beschäftige ihn,.... Das alles hat denke ich auch sehr zu MEINER Entwicklung beigetragen, weil ich im Prinzip schon sehr früh viel Verantwortung übernommen habe.
So etwas kann schief gehen, das sieht man oft, dass der Hund dann den Eltern bleibt. Ich war von Anfang an bei der Sache voll dabei, wollte das auch nie aufgeben und hab freiwillig auf so manche Aktivitäten mit Freunden, etc. verzichtet, weil mir Fango eben viel wichtiger war, als am Abend irgendwo hinzugehen.
So, das war jetzt mal ein Roman, sorry!