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Züchter oder Tierheim?!

#1 von Fangonette , 28.11.2011 12:37

Ich grüble in letzter Zeit immer mal wieder über dieses Thema nach.
Irgendwann soll bei mir wieder ein Hund einziehen, dass ich von den Kromfohrländern die Finger lasse, weiß ich 100%ig. Diese Art von Inzucht, ja vielleicht schon Qualzucht, zu unterstützen finde ich abstoßend.

Ich liebäugle ja mit den Shelties. Das Wesen gefällt mir irrsinnig gut, gerade von einem ganz speziellen Herren *hüstel* ;-)), das Aussehen, die Größe, die Aufgabe, die so ein Sheltietier mit sich bringt (der WILL auch arbeiten und wurde für Arbeit gezüchtet),....

Jetzt kommen mir aber andererseits wieder Gedanken - um jetzt das Thema allgemein zu behandeln - darum, dass es Millionen Tierheimhunde gibt, die auf ein gutes Zuhause warten würden. Wenn man sich das alles ansieht, dürfte solange kein Hund gezüchtet werden, bis die Tierheime nicht leer sind.
Nimmt man einen Hund aus dem TH, hat man ein Stück bewegt, die Überfüllung dort zu bekämpfen, einem Hund ein schönes Leben zu bieten und ihm einen Ort zu geben, an dem er (und da spreche ich von mir) immer bleiben kann.
Dennoch, die Kehrseite der Medaille. Man nimmt sich damit auch meistens eine große Aufgabe. Man weiß nicht, was in den ersten Lebenswochen oder -jahren passiert ist, was das Tier erlebt hat. Viele Verhaltensweisen werden auftauchen, ohne dass man irgendwie den Hintergrund dafür herausbekommen kann. Klar - daran muss man dann arbeiten und das ist eine Herausforderung, eine Aufgabe. Und man kann gemeinsam daran wachsen.

Bei einem Hund, den ich von einem (guten) Züchter hole (der offen über alles spricht, dabei ehrlich ist,...... ich spreche hier vom Idealfall), weiß ich, was passiert ist, was er kennt, was ich ihm in den wichtigen Phasen zeigen werde, im Prinzip kenne ich genau seine Eigenarten von Anfang an und kann in die Richtung sehr gut arbeiten und steuern. Natürlich kann Unvorhersehbares passieren, aber grundsätzlich liegt es in meiner Hand.

Eigentlich kann man hier nur sagen: jeder muss für sich selbst entscheiden, woher er seinen Hund nimmt, ob er die Aufgabe, einen Tierheimhund zu (re-)sozialisieren auf sich nimmt, oder einen Welpen von Anfang an zu sozialisieren und betreuen. Aber diese Entscheidung hier finde ich wirklich nicht leicht. Denn so viele Tiere, die in Tierheimen sitzen, sind eigentlich furchtbar. Dennoch würde ich jetzt im Moment sagen: mein nächster Hund kommt von einem guten Züchter, da ich von Anfang an bestimmen können möchte, was er zum Fressen bekommt, wie er sozialisiert wird, was ihm passiert, was er lernt, wie er lernt,.....
Der Reiz, einem Hund zu helfen, ein anständiges Leben führen zu können, und ihn aus dem Tierheim zu nehmen, ist aber auch irgendwo da, schon alleine, weil ich es schlimm finde, wie überfüllt alle TH sind.

Wie steht ihr zu diesem, ja... Dilemma? Wieso habt ihr euch für die Art Kauf entschieden, die ihr bei eurem jetzigen Hund getroffen habt? Was wird die nächste Entscheidung sein? Welche Aspekte habt ihr noch beachtet?


 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#2 von Akira , 28.11.2011 12:58

das ist überhaupt nicht leicht.
ich kann jetzt von mir reden..all meine tiere haben vorher eine schlechte vergangenheit gehabt und ich habe mir oft gewünscht, das es anders gewesen wäre, weil es dadurch leichter ist und meine nerven manchmal am ende waren.
aber dann denke ich mir ohne diese eigenheiten,schwierigkeiten hätte ich nciht dazu lernen können. ich habe lernen müssen um ihnen helfen zu können, beiden da akira und dem pyrol. das heißt sie haben mir was beigebracht.
einfach ist es nicht aber ich würde das jederzeit wieder machen aus dem einfachen grund...die tiere zeigen dir eine dankbarkeit, die ist unglaublich...einfach ein wahnsinn.
für das, das ich ihnen geholfen habe, geben sie mir die liebe und das vertrauen mehr als nur 100% zurück.

ich sage immer, Hund, Pferd egal welches Tier haben eine zweite Chance verdient. Sie können ja nichts dafür, das sie so schlecht behandelt werden oder bei ihren besitzern nicht bleiben können.
daher würde ich immer sofort im Tierheim nachschauen ob ein liebes tier nicht auf ein neues zuhause wartet.

und hätte ich mehr zeit würde ich sofort in einem tierheim helfen :-)

 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#3 von Puzzle , 28.11.2011 13:22

Mein nächster Hund wird vom Züchter kommen- das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein Tier von einem Züchter hole. Das hat aber ausschließlich damit zu tun, dass eben Tierheimhunde oft nicht die STressresistenz und Gelassenheit mitbringen, die der Hund für den Job bei mir brauchen wird. Deswegen wird es dann auch nicht irgendein Welpe, sondern ich suche dann nicht selber aus, sondern lasse testen.

Wäre ich nicht darauf angewiesen, würde es auf jeden Fall wieder ein Hund aus dem Tierheim werden. Letztlich haben sich bisher auch die Tierheimwauzis prima geschlagen, aber je mehr ich Hunde lesen kann, um so mehr erkenne ich, dass sie eben beide an einigen Stellen auch überfordert sind/waren und das ist einfach nicht fair, Erwartungen an ein Tier zu stellen, das es ggf. einfach durch seine eigenen ERfahrungen nicht oder nur teilweise wird erfüllen können. Kira schlägt sich sehr tapfer und wir sind inzwischen ein eingespieltes Team, aber Rücksicht auf sie nehmen heißt dann eben auch weniger Freiheit für mich. Das ist für einige Zeit okay und eine gewisse Rücksicht ist bei JEDEM Hund nötig, aber da würde ich viel genauer schauen das nächste Mal.

Mein Plädoyer wird also- obwohl ich genau das Gegenteil tun werde beim nächsten Hund- immer für einen Tierheimhund ausfallen. Da sitzen so viele wunderbare Charaktere, tolle Schnuten. Und wenn ich dort einen garantiert geeigneten Hund finden könnte, würde ich keinen Moment zögern zuzugreifen. Das ist jedoch sehr schwierig vorauszusagen, einfach weil ein Tierheimhund immer ein gewisses Überraschungspaket bleiben wird, da ändert sich ggf. noch eine Menge, wenn er dann im endgültigen Zuhause "angekommen" ist.

Außerdem, liebe Eva, hast du inzwischen so viel Wissen über Hunde, dass sich jeder Wauz glücklich schätzen kann, von dir adoptiert zu werden. Es gibt viele Tierheimhunde, die solch einen Platz bräuchten, aber im Leben nicht finden. Möchte dich echt ermutigen, das sind ganz tolle Nasen dort und wie du z.b. an Kira sehen kannst, kann sich da sooooo viel entwickeln. Es ist aber viel Arbeit und Geduld nötig, aber du würdest dadurch eine Menge Erfahrungen machen, die du sonst nie gemacht hättest. Und es gibt auch komplett unkomplizierte Hunde in den Tierheimen, allerdings weiß man das nicht vorher. Meine Freundin hat sich einen Hund aus dem Tierheim, der so komplett unkompliziert ist und sie hatte noch nicht mal die "Arbeit" mit der ERziehung (und das war gut so, denn sie hat keine Geduld ;-) ) Aber selbst wenn du einen speziellen Kandidaten aufnimmst, so wirst du staunen, was sich entwickeln kann und man ist mit einem unkomplizierten Hund nicht zwangsläufig glücklicher. Trau dich!


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RE: Züchter oder Tierheim?!

#4 von Akira , 28.11.2011 13:34

da verstehe ich dich. es ist was anderes, wenn man einen hund braucht und dieser eben einen job erledigen muss.

Zitat von Puzzle


Außerdem, liebe Eva, hast du inzwischen so viel Wissen über Hunde, dass sich jeder Wauz glücklich schätzen kann, von dir adoptiert zu werden. Es gibt viele Tierheimhunde, die solch einen Platz bräuchten, aber im Leben nicht finden. Möchte dich echt ermutigen, das sind ganz tolle Nasen dort und wie du z.b. an Kira sehen kannst, kann sich da sooooo viel entwickeln. Es ist aber viel Arbeit und Geduld nötig, aber du würdest dadurch eine Menge Erfahrungen machen, die du sonst nie gemacht hättest. Und es gibt auch komplett unkomplizierte Hunde in den Tierheimen, allerdings weiß man das nicht vorher. Meine Freundin hat sich einen Hund aus dem Tierheim, der so komplett unkompliziert ist und sie hatte noch nicht mal die "Arbeit" mit der ERziehung (und das war gut so, denn sie hat keine Geduld ;-) ) Aber selbst wenn du einen speziellen Kandidaten aufnimmst, so wirst du staunen, was sich entwickeln kann und man ist mit einem unkomplizierten Hund nicht zwangsläufig glücklicher. Trau dich!




gebe dir absolut recht!!

 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#5 von Fangonette , 28.11.2011 14:56

Danke für eure Beiträge.

Ihr habt schon recht, damit, dass man ohne Herausforderung wohl weniger lernt, als wenn man gezwungen ist, sich jetzt damit zu beschäftigen.
Es kommt natürlich dann auch auf die Lebenssituation drauf an, ob man diese Geduld aufbringen KANN mit einem Tierheimhund, und die nötige Energie dazu langfristig aufbringt, falls es gröbere Probleme gibt. Selbst wenn diese noch nicht bekannt sind, könnten sich die dann aufgrund von neuen Erfahrungen oder eben Aufarbeitung (denke da an den tellington Maultouch) wieder herauskristallisieren.

Irgendwann möchte ich mich sicher drübertrauen, eine Fellnase aus dem TH zu nehmen. Doch ich denke auch, dass da einfach der Funke noch viel mehr überspringen muss, als bei einem Welpen vom Züchter. Denn da stellt man sich ganz anders drauf ein.


 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#6 von Akira , 28.11.2011 15:03

das muss sowieso jeder für sich selbst entscheiden und ich verstehe, das du einen welpen nehmen möchtest, weil du da von anfang an dabei bist alles beeinflussen kannst....ist eine wunderschöne zeit, die welpenzeit
der hund und die situation müssen passen, dann ergibt sich sowieso alles von ganz alleine :-)

 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#7 von Fangonette , 28.11.2011 17:06

So denke ich auch... Die Chemie muss einfach stimmen.


 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#8 von Grace , 28.11.2011 18:30

so eine entscheidung muss wirklich jeder für sich selbst treffen, es ist vor allem sehr wichtig prinzipiell auf einen hund gut vorbereitet zu sein, egal von woher er kommt.

in meinem fall haben sich die dinge geändert. meine erste hündin war aus guter zucht und wurde trotz bestem genetischem material nur 6 jahre alt, die zweite hündin ist nun 4 jahre alt, grace ist ein traum und ich wünsche mir nichts mehr, als dass mir noch viel viel viel zeit mit ihr gegeben ist. dennoch waren die ersten jahre mit ihr auch nicht immer einfach und trotz alledem konnte sie viel von den erfahrungen, die ich mit meiner ersten hündin gemacht habe, profitieren.

seit ich mich mehr mit dem tierheim dechanthof beschäftige, mir den tierheim-alltag dort öfters angesehen habe, mit menschen die dort arbeiten gesprochen habe, mit tierheimhunden spaziergänge gemacht habe ...... spüre ich ganz tief in meinem inneren, dass ich irgendwann in meinem leben einen tierheimhund haben werde. ich habe in meinem ganzen leben "dankbarkeit" und "bescheidenheit" noch nie so deutlich erlebt als wie bei den hunden aus dem tierheim. ich habe vereinzelt auch hunde dort erlebt wo ich spürte, dass diese gut in mein leben passen würden und die mir in keinster weise als "grosse aufgabe" vorkamen, sondern eher als BEREICHERUNG.

es ist schwer in worte zu fassen ... und vor kurzem habe ich etwas bekommen was genau DAS aussagt was ich meine, ich wurde gebeten es zu teilen und daher teile ich es jetzt genau an dieser stelle mit euch ... (siehe anhang).


Wuffige Grüsse & bis bald
Marion & Grace


Angefügte Bilder:
TH.jpg  
 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#9 von Senta , 28.11.2011 18:33

Mein paar Gedanken dazu...

Teilweise gibt es Tierheim Hunde, die noch Welpen sind... Also ganz jung und noch im Alter wo man sie selber gut sozialisieren kann bzw. wo kein Schaden noch passiert ist. Manchmal gibt es ältere Hunde, die trotz viel erlebtem super sind. Es gibt auch Hunde, die zwar das jetzige Zuhause verlieren (weil die Halter z.B. sich getrennt haben) und die super sind und gar nicht erst ins Tierheim kommen, sondern von den einen Besitzer zu den nächsten halt wechseln. Es ist also nicht zwangsmässig so, dass ein Tierheimhund immer eine irre Aufgabe sein muss. Kann - muss aber nicht. Genauso, kann ein Hund vom Züchter eine Katastrophe sein, wenn man z.B. den Züchter nicht sehr sorgfältig wählt. Und da meine ich nicht nur, die banalen Gesundheitsuntersuchungen die sowieso stimmen müssen - sondern auch die Unfähigkeit vieler Züchter, den Hund wirklich anständig zu sozialisieren. Es IST nunmal so, dass der Hund die ersten kritischen Wochen beim Züchter verbringt und verpasst dieser in diese Zeit das Wesentliche eben zu fixieren auf der "Festplatte" - so hat man Probleme auch mit toll gesunde und super gezüchtete Hunde.

Für mich persönlich war es so: Ich hatte in meiner Familie in Zypern stets Tiere aus dem Tierheim. Sie waren ALLE SAMT unkompliziert, gesund und lieb. Lauter Mischlinge, ohne große Forderungen am Menschen - die sich einfach eingefügt haben in unserem Leben. Sie sind alle, mit Ausnahme von Sindy (die leider vergiftet wurde) stein alt geworden!!! Und das, trotzdem nicht ideal gefüttert etc.

Mein aller erster Hund sollte ein Hund vom Züchter werden - ich wollte den Hund selber genau an mein Leben eben anpassen... Ich bereue die Entscheidung nicht - Senta ist mein absoluter Traumhund... ABER auch durchaus die komplizierteste von alle Hunde mit denen ich bislang zu tun hatte. Kompliziert in dem Sinne, dass so ein Arbeitstier die Arbeit auch fordert, dass so ein intelligentes Tier auch durchaus manipulationsfähig ist... Und kompliziert in dem Sinne, weil sie eben nicht einfach mitläuft, sondern ihr eigenes Programm hat, was sie auch teils durchsetzt (nicht selten vehement). Ich liebe sie genau wie sie ist - sie passt zu mir... Ich würde genau den gleichen Hund nochmals nehmen... Eine Aufgabe, ist allerdings so ein Hund auch eben - und es gibt auch Typen, die verzeihen relativ wenige Fehler beim Training und servieren Dir dann erbarmungslos die Rechnung!!! lol

Man muss hier wirklich auf sein Gefühl hören. Eines weiss ich allerdings mit 100% Sicherheit: ich würde nie einen Hund rein aus Mitleid nehmen...weil der so arm ist, oder im Tierheim...oder was auch immer. Ein Hund den ich bemitleide, kann ich nicht gerecht werden. Ein Hund verdient es, NICHT bemitleidet zu werden sondern dass er zu DEM Halter kommt, der ihn super findet, ihn Einzigartig findet und ihn über alles liebt. Mitleid - ist diesbezüglich eine schlechte Motivation. Was für mich bedeutet, dass ich ein Tier nur dann rette, wenn das Tier für mich auch bestimmt ist - und sowas spürt man relativ deutlich, wenn man einen Hund vor sich hat. "Mein Gott ist der arm, den rette ich..."...wird es bei mir nie geben. Dazu habe ich vor einem Hund schon als Hund, viel zu viel Respekt. Ich hoffe, man versteht wie ich das meine... Aber ein jeder Hund, ist etwas ganz ganz besonderes - und für jeden Hund, gibt es den richtigen Halter. Wenn ich es NICHT bin, vom Gefühl her...dann hoffe ich, dass es der nächste eben ist - und lasse dem Hund auch diese Chance.

LG Vivien.


Keine Beleidigung würde mich so hart treffen wie ein misstrauischer Blick von einem meiner Hunde

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RE: Züchter oder Tierheim?!

#10 von Puzzle , 28.11.2011 20:20

Zitat von Fangonette
Doch ich denke auch, dass da einfach der Funke noch viel mehr überspringen muss, als bei einem Welpen vom Züchter. Denn da stellt man sich ganz anders drauf ein.



Wie meinst du das? Bei einem Welpen muss die Chemie doch auch stimmen? (okay, es gibt nicht viele Leute, die einem Welpen widerstehen- war das gemeint?)

Im Tierheim wird es so sein, dass einer dein Herz berührt. Ich war, als ich meinen ersten Hund haben wollte, in mehreren Tierheimen und aus denen bin ich unverrichteter Dinge wieder raus gekommen, weil DER Hund nicht dabei war. Weil es nicht click gemacht hat (oder Vernunftsgründe gegen den ein oder anderen Kandidaten sprachen). Dann lernte ich Daisy kennen und im ersten Augenblick war klar: DAS ist sie. Und das war sie auch. Sie war trotz ihrer extremen Angst (sie hatte ja so eine "Macke", dass man mir direkt eine Geld-zurück-Garantie anbot, falls ich mit ihr nicht zurechtkommen würde) im Prinzip ein total unkomplizierter Hund. Klar, die Angst hat anfangs viel Einfühlungsvermögen erfordert, was für mich aber kein Problem war. Dennoch war sie von Anfang an auch auf eine besondere Art unkompliziert. Kira war vom ersten Tag an ein Hund mit Ansprüchen.

So gibt es eben beides und man muss schauen, dass man den richtigen Hund wählt. Das gilt für Tierheim und Züchter, denn Charaktere gibt es ja immer Unterschiedliche. Der einzige Unterschied ist halt, dass im Tierheim die Chance, dass der Hund optimal geprägt wurde, doch um einiges niedriger liegt, was mein Argument ist, weswegen ich das nächste Mal beim Züchter schauen werde. Was du machen wirst, das wirst du m.e. zu gegebener Zeit wissen.

@Senta: zum Glück kann auch ein Hund, der aus Mitleid aufgenommen wird, seine Leute schnell um den Finger wickeln. Als wir das Bärchen auf der Homepage sahen, war der erste Gedanke: den kriegen die nie vermittelt. Ein dreibeiniger Herdenschutzhund mit diversen Vorerfahrungen, der vermutlich nicht alt wird werden können- wer soll den nehmen? Und hier gab es genau das, was er brauchte: ein riesiges Grundstück, wo er sich frei bewegen konnte, wo er Hundekontakte hat und wo er wachen darf, ohne Nachbarn, die sich wegen Gebell beschweren würden, eine Familie, wo sich nicht der eine Besuch mit dem nächsten die Klinke in die Hand gibt, wo fast immer jemand zuhause ist usw. Also Bärchen kennengelernt und da wars um uns geschehen. Inzwischen ist er vollwertiges Rudelmitglied. Damals wars noch ein bisschen: er darf hier wohnen, aber wir machen wegen ihm keinen Extrazirkus (eher als eine Art "Beistellpferd", weil er hier eben genau das hätte, was er braucht)... nun ja... heute wird das Bärchen verwöhnt wie alle anderen auch und kriegt was er braucht, egal wie "extra" das ist :-D


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RE: Züchter oder Tierheim?!

#11 von shiraz , 29.11.2011 16:59

ja,die entscheidung ist nie leicht, syra und boris kamen aus einer zucht. aramis mein riesenschnauzer ridgeback kommt aus dem tierheim und zwar für die österreicher aus dem burgenland von der tierpension schandl. ich wollte wieder eine katze haben und hab einen super tollen hund gefunden. aramis war auch noch ein welpe, er ist mit 12 wochen am 23.12. bei uns eingezogen. syra hat ihn sofort adoptiert und er hat sich von anfang an sehr wohl gefühlt. er wurde mit seinen geschwistern in einer scheune ohne menschenkontakt gehalten bis er mit ca. 6 wochen ins tierheim gekommen ist. für mich ist er eine bereicherung, ich hab schon viel von ihm gelernt und er auch von uns. es ist wie alle hier schreiben eine bauchentscheidung.

lg
doris

 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#12 von Blue-Sky , 30.11.2011 13:37

Möchte hier auch noch meine Gedanken niederschreiben, finde das Thema sehr interessant.

Als ich auf der Suche nach einem Hund war, stand für mich schnell fest, dass es ein Hund vom Züchter werden soll, auch, wenn es mir viele abgeraten haben. Sky ist ja mein erster Hund und ich habe mich einfach nicht drüber getraut mir einen Hund zu nehmen, der womöglich Probleme im Alltag mit sich bringen wird, denen ich absolut nicht gewachsen bin, der eine wilde Mischung ist, wo mir niemand sagen kann womit ich rechnen kann, wie er ausgelastet gehört usw.
Und es war für mich zum jetzigen Zeitpunkt die absolut richtige Entscheidung, da ich manchmal nicht mal mit den "Kleinigkeiten" bei Sky fertig werde. Mit einem gut sozialisierten Welpen dachte ich, dass er mir vieles leichter machen wird, als mit einem Hund, der eine Vorgeschichte hat. So war es auch. Es gab wirklich wenig das ich diesem Hund beibringen musste. Egal wohin ich ihn mitnahm, es gab nie ein Problem. Zwar habe ich ihm meine Welt in kleinen Schritten gezeigt, aber ich schwöre, er hätte das nicht gebraucht.

Unsere erste Öffifahrt zB fand erst dann statt, als ich ihm 3x die Haltestelle zeigte und sie ihm schön fütterte. Sky wäre aber am liebsten schon beim 1. Mal in die U-Bahn gesprungen und so stellte sich die erste Fahrt sowas von problemlos heraus. Er saß erst am Schoß, beim nächsten Mal am Boden und fand die einsteigenden Personen voll cool und musste jeden begrüßen. :) Hätte ich einen überängstlichen Hund wüsste ich nicht wie ich das hätte anstellen sollen ....

Na ja ... so leicht der Sky mir alltägliche Dinge gemacht hat, so schwierig ist es mit ihm auf einer Wellenlänge zu arbeiten. In der Hinsicht ist er wahnsinnig kompliziert, hyperintelligent und ich einfach zu "dumm". ;) Der Hund verzeiht absolut keine Fehler, wenn ich langweilig bin lässt er mich links liegen und wenn er Aufgaben zu stupid findet, dann sucht er sich lustigere Beschäftigungen. Mit DEM hab ich niemals gerechnet! Dachte immer, Shelties seien sooo leicht zu motivieren, arbeiten unermüdlich mit und bringen "will to please" mit. Und es stimmt auch fast alles, nur hat Sky sowas von KEIN "will to please", zumindest will er nicht mir gefallen *lol* Und das ist die einzige Herausforderung bei ihm und ich musste durch die harte Schule gehen, dass mein Hund nicht für mich arbeitet und für mich nichts tut, wenn ich nicht genau bin. Und genau zu sein muss gelernt werden und dabei bin ich gerade.
Zu erst dachte ich nur shit, wie soll ich das je lernen? Wieso krieg gerade ich so einen "blöden" Hund? .... Ja ich weiß, so gemein war ich :( Mittlerweile schätze ich genau diesen schwierigen Charakterzug enorm an ihm und ich bemühe mich genau zu werden, sicherer zu werden und ihm zu zeigen, dass mit mir zu arbeiten das Lustigste überhaupt ist! Das wird noch ein langer Weg, aber ich hab gelernt mich darauf zu freuen und auch die kleinen Schritte zu begrüßen und nicht nur das Ziel vor Augen zu haben ;) Dieser Hund, so habe ich das Gefühl, wird mir noch sehr viel beibringen und freue mich nur drauf!

Irgendwann will ich auch einen Hund aus dem Tierheim, aber zu erst möchte ich durch Skys harte Schule, eventuell noch einen Sheltie und dann sehen wir weiter :)
Die Frage, woher der nächste Hund stammen soll, die kann nur jeder sich selbst beantworten und wie Vivien richtig sagte, ich finde einen Kauf aus Mitleid auch nicht sinnvoll. Jeder Hundekauf sollte reichlich durchdacht werden :)


LG,
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#13 von Fangonette , 30.11.2011 22:27

@ Puzzle:

nun ja... wenn ich mich auf einen Welpen einstelle, suche ich mir vorher meist mal einen Züchter aus. Dann weiß ich: ok, dort fällt ein Wurf, fiebere schon vorher irgendwann mit, freue mich sehr auf die Welpen, "bekomme" dann sozusagen einen oder suche ihn mir aus, wie auch immer. Aber da ist einfach länger schon die Einstellung auf einen dieser Hunde da.
Wenn ich ins Tierheim gehe, sehe ich das etwas anders. Da musst du dann eben DEINEN Hund sehen und das finde ich eben schwieriger. Viele verschiedene Rassen, Mischlinge, Größen, Charaktere. Klar haben die Hundegeschwister aus einem Wurf auch jeder einen anderen Grundcharakter. Aber dennoch: irgendwie sind sie rassetypisch.

Ist es jetzt etwas verständlicher?

@ Vivien:

Einen Hund nur aus Mitleid zu nehmen, nein, das finde ich auch nicht in Ordnung. Oder für MICH eben nicht ok. Möchte ja einem Hund/Lebewesen auch gerecht werden.
Ist genauso irgendwie mit Kindern. Ein Kind zu adoptieren, "nur" weil es arm ist funktioniert wahrscheinlich auf Dauer nicht.

@ Bina:

ich verstehe deine Einstellung dazu recht gut und im Moment bin ich auch noch so: lieber von einem Züchter, denn so hab ich die "Zügel" etwas mehr in der Hand. Wie sich die Mensch-Hund-Beziehung entwickelt und als was es sich entpuppt, ja, das ist immer so eine Sache. Aber irgendwie ist es für mich "vorhersehbarer" einen Welpen zu nehmen vom Züchter, als aus dem Tierheim. Trotz allem aber finde ich es sicher eine schöne Aufgabe und möchte diese auch einmal haben dürfen. Ob beim nächsten Hund oder nicht - tja, das wird sich herausstellen.

Eine weitere Überlegung gerade von mir: einen TH-Hund als Zweithund zu nehmen, stelle ich mir irgendwie einfacher vor. Denn sollten da Probleme da sein und der Ersthund ist stabil und sicher im Verhalten, dann kann sich der Zweithund sehr am anderen orientieren und von dem auch lernen. Ist dann sicher auch ein Eck einfacher.


 
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RE: Züchter oder Tierheim?!

#14 von Blue-Sky , 30.11.2011 23:41

Zitat von Fangonette
Aber irgendwie ist es für mich "vorhersehbarer" einen Welpen zu nehmen vom Züchter, als aus dem Tierheim.


Sehe ich eben genau so! :)




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RE: Züchter oder Tierheim?!

#15 von daph , 02.12.2011 11:04

Ich bin da auch etwas gespalten. Bis jetzt habe ich gedacht, dass ich IMMER nur Hunde vom Züchter haben werde, aber je länger man in die Züchter-Szene Einblick hat, desto weniger will man (oder besser gesagt: ich) involviert sein. Fairerweise muss ich dazusagen, dass ich extrem pingelig bin und hohe Ansprüche habe - trotzdem kann ich die Sheltie-Züchter, bei denen ich mir einen Hund holen würde, an einer Hand abzählen. In Österreich würde ich - momentan - nicht glücklich werden (aber mehr nur über PN, falls Interesse).

Der Grund, wieso mich ein Züchterhund doch noch reizt ist, weil die Elterntiere im Idealfall gut durchuntersucht sind. Somit kann ich mich auf evtl. Krankheiten und Dispositionen einstellen bzw. habe eine gewisse Gefahrenminimierung. Was aber natürlich wieder nichts bringt, wenn Züchter nicht ehrlich sind und viele sind nicht so ehrlich, wie ich es mir wünschen würde. Ein anderer Grund ist natürlich, dass ich schon etwa weiß, was mich erwartet. Ich wohne in der Stadt und habe daher auch ein paar Anforderungen, am wichtigsten war mir klein und leicht! Da tut man sich mit einem Tierheim-Überraschungsei natürlich etwas schwerer.
Das Livchen schaut zwar aus wie ein Nacktsheltie (aber Standard/viel Plüsch/Ausstellungstauglichkeit stand und steht bei mir eher weiter hinten auf der Liste), aber bringt ansonsten alles mit, was ein Sheltie so haben sollte und ist zum Arbeiten einfach toll. Sie will einfach beschäftigt werden und hat Power ohne Ende und langweilige Tage sind nichts für sie. Sie liebt es, knifflige Aufgaben zu lösen, mitzudenken und Neues zu lernen. Lernen tut sie mit Höchstgeschwindigkeit, denkt beim Arbeiten sehr viel selbst mit und ist auch sehr selbstständig -> kann also sehr gut alleine Probleme lösen, z.B. beim Hüten. Ansonsten ist sie auch noch eine kleine Perfektionistin und unglaublich präzise. All diese Eigenschaften hat ihre Mutter auch - genauso wie die meisten Nachzuchten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich auch so einen Arbeitsjunkie bekommen werde, war also ziemlich groß und das ist auch ein Vorteil beim Züchterhund. (Über den Ausdruck "Will to please.." kann man streiten, aber das ist wieder ein anderes Thema).

Aber ob ein Hund gut mitarbeitet, ist wohl zum Teil auch eine Frage der Motivation. Daph ist ein Dackel, die als stur und lernunwillig/-unfähig bezeichnet werden und trotzdem ist Daphi super in allen Bereichen, wo sie ausgebildet wird.

Bzgl. Sozialisierung: Das kommt natürlich auch auf den Züchter an. Manche machen es besser, andere haben wieder null Ahnung über Hundeverhalten/Sozialisierung bzw. wissen einfach nicht, was man einen Welpen zumuten kann und auch nicht. Habe da letztens wieder mal ein paar Sheltiezüchter getroffen, wo ich einfach nur den Kopf schütteln kann.

Noch etwas: Ich kenne viele Züchter, die nicht auf die Wünsche der zukünftigen Welpenbesitzer eingehen. Mir war wichtig, dass mein Welpe von Anfang an gebarft wird und nicht die volle Impfdröhnung bekommt und von allen Züchtern, die ich angeschrieben habe, war nur eine einzige bereit (aber bei ihr werden alle Hunde und Welpen von Anfang an gebarft, das war wirklich ein toller Glücksgriff).



Mein Beitrag klingt zwar jetzt etwas negativ, wollte aber einfach nur zeigen, dass es wirklich viele Kehrseiten gibt. Die Entscheidung ist sicher schwer, mir steht sie auch noch mal bevor, aber wenn du willst, können wir uns auch über PN unterhalten.

 
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So war das doch nicht gedacht...



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